Onomastik

Versuch einer Namensdeutung zum Bilwis

Bilwis
auch Bilwiz (mittelhochdeutsch) oder Belewitte (mittelniederdeutsch), altenglisch Adjektiv "bilewit" (gütig, milde), Pilwis, Pilfas, Bilmesschnitter, Bilweis, Willeweis stellte einen "Korndämon" dar.

Der Bilwis ist ein Korngeist. Er geht oder reitet auf einem Bock durch das Getreidefeld und schneidet mit den Sicheln, die er an seinen Zehen befestigt hat, das Korn ab. Dieses fliegt ihm selbst oder demjenigen zu, der ihn beschworen hat. Wo er durch das Feld kommt, ist dieses versengt und schwarz. Bei seinen Streifzügen murmelt er unaufhörlich Zaubersprüche vor sich hin.

Seiner Arbeit geht er nur an bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten nach. So z.B. an Karfreitag, Pfingsten und am Johannistag (24. Juni). Oft ist er unsichtbar und kann nur durch bestimmte Zaubermittel sichtbar gemacht werden. So kann man an Ostern oder Pfingsten vor Sonnenaufgang übers Feld gehen und beten oder sich am Johannistag oder dem Dreifaltigkeitsfest (erster Sonntag nach Pfingsten) mit einem Spiegel auf der Brust auf einen Holunderstrauch setzen, um ihn zu sehen.

Um den Raub des Kornes abzuwenden, sollte man an den vier Ecken des Feldes kleine Kreuze vergraben oder geweihte Palmkätzchen in dessen Boden stecken. Um ihn zu töten, kann man vom Bilwis abgeschnittene Kornstoppeln in den Rauchfang des Kamins hängen. Sobald diese verdorrt sind, ist auch der Bilwis vergangen.

Im Mittelalter, vor allem zu den Hochzeiten der Hexenverbrennungen, benutzte man das Wort "Bilwis" auch für Hexen.

Bei Wolfram von Eschenbach ist der Wilwis ein elbisches Wesen, das Menschen mit einem magischen Pfeil, dem "Bilwizschuß", lähmen kann. In Nordostdeutschland stellt der Bilwis einen wohltätigen Dämonen der Kornfelder dar, in Bayern hingegen ist er als "Bilwes-" oder "Bilmesschnitter" ein schädigender Erntedämon. In Kärnten wird der Bilwis auch als Personifikation des Wirbelwindes angesehen.

Vermutlich ist der Bilwis eine volkstümliche Variante eines älteren germanischen Fruchtbarkeitswesens und wird auch mit den schadenbringenden Kräften des abnehmenden Mondes in Verbindung gebracht. Der Name Bilwis hängt vermutlich mit Bil zusammen, die ursprünglich eine alte nordische Mondgöttin war.



 

 

 

 

 

 

 

 






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